Australien


Die Ostküste

Queensland

Nach Alice Springs

Uluru - Ayers Rock

Tibooburra

Kangaroo Island

Victoria

Fliegen in Australien

Australien - In den Busch
Oktober 2006


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Civil Aviation Safety Authority

Startklar ins Abenteuer

Certificate of Validation
G'Day, mate! Es gibt Ideen, die zwicken Dich ein Leben lang - zum Beispiel, einmal das australische Outback zu bereisen. Wochen und Monate vergehen mit der Planung, aber auf einmal sitzen wir doch auf der anderen Seite der Welt in der Morgensonne. Unsere Mission: Drei Wochen und 4000 NM Flugstrecke entlang der Ostküste, ins Rote Zentrum und um den Süden Australiens herum. Gefällt die Idee - dann los!

Nach 10.450 Meilen und 22 Stunden im grossen Flieger erholen wir uns für einige Tage in Sydney. Es ist Frühling im Oktober.

Ankunft morgens um 5:20 am Sydney Kingsford Smith International AirportSydney, Hafen und Oper

Viel Land fürs Geld

C-172R, Airborne Aviation, Camden, NSWFür unseren Fliegerurlaub haben wir Airborne Aviation am Camden Airport (YSCN), etwa 60 km südwestlich von Sydney, als Partner ausgewählt. Sie vermieten neue Flugzeuge, was uns für unseren langen Flug in den Busch angemessen erscheint.

Zwei Monate im Voraus hatte ich bei der australischen Civil Aviation Safety Authority (CASA) die notwendige Anerkennung meiner deutschen Lizenz, das Certificate of Validation, beantragt und zugeschickt bekommen. Um die vorgeschriebene Einweisung in den australischen Luftraum zu absolvieren, mache ich mit einem Airborne-Lehrer einen Abstecher zum Bankstown Airport (YSBK) und kaufe im dortigen Pilot Shop ein halbes Kilo Karten für die geplante Strecke (man braucht eine Menge Karten in diesem grossen Land), sowie das En Route Supplement Australia (ERSA; entspricht unserer AIP VFR). Am nächsten Tag noch der Checkflug, und wir sind startbereit.

 
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Die Ostküste

Camden Airport

Tag 1 - Camden bis Brisbane, 435 NM
Wir verlassen Camden Airport (YSCN) an einem sonnigen Sonntagmorgen. Nordwärts fliegen wir an der Innenstadt von Sydney vorbei. Entlang der Küste müssen wir die VFR-Route durch die Kontrollzone von RAAF Williamtown (YWLM) passieren, und machen unsere erste Tank- und Mittagspause in Port Macquarie (YPMQ).

StartklarParramatta River und der Hafen von Sydney

Weiter geht es immer geradeaus Richtung Brisbane-Archerfield (YBAF), wo wir am späten Nachmittag eintreffen. Der alte, grosse Flugplatz ist ziemlich menschenleer, und wir finden nicht einmal ein Telefon, um ein Taxi zu rufen. Zufällig begegnen wir Glen, einem lokalen Piloten, der uns mit einer guten Hotelempfehlung weiterhilft und auch noch das Taxi für uns bestellt. So lernen wir die australische Gastfreundschaft kennen - wir halten ein ausführliches Schwätzchen, müssen über unser Woher und Wohin berichten, und bekommen jede Menge nützliche Tipps für unseren Outback-Flug.

Nordwärts entlang der KüsteBrisbane bei Nacht

Tag 2 - Brisbane bis Rockhampton, 315 NM
Das Ziel des heutigen Tages ist Rockhampton (YBRK). Leider verpassen wir die Gelegenheit, uns Fraser Island aus der Luft anzusehen, denn eine Schauerfront steht über der Küste und zwingt uns, uns entlang der Hauptstrasse auf 1000ft im Nieseln nach Norden zu hangeln. Eine halbe Stunde später bricht die Wolkendecke wieder auf und wir fliegen im strahlenden Sonnenschein weiter, als wäre nichts gewesen. Im Anflug auf Rockhampton passieren wir die Mündung des Fitzroy River und bekommen von Rocky Tower zur Begrüssung einen Direktanflug auf Bahn 04.

Rockhampton‚ die "Beef Capital of Australia", heisst uns mit 30°C willkommen. Wieder erfahren wir das Wichtigste im Gespräch am Platz: unsere Parkposition liegt gegenüber dem Hangar der Royal Flying Doctors, und die Ärzte haben das richtige Rezept für uns. James, nicht nur Mediziner, sondern auch Pilot, hat nicht nur Empfehlungen für das Fliegen in der Wüste, sondern auch den entscheidenden Essenstipp: Nehmt ein Outback Dinner (Steak und Bier) im Bush Inn Bar & Grill, im historischen Criterion Hotel.

Salzgewinnung am Fitzroy River, Anflug auf RockhamptonAboriginal dot painting: Krokodile und Barramundi

Bevor wir am nächsten Tag weiterfliegen, besuchen wir morgens das Dreamtime Cultural Center. Das Zentrum, ausserhalb der Stadt gelegen, veranstaltet sehr interessante Touren. Eingeborene Führer erzählen über die traditionelle Lebensweise, zeigen, wie der Bumerang geworfen wird, und spielen in einer Höhle das Didgeridoo. Ein Erlebnis!

 
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Queensland

ADF

Tag 3 - Rockhampton bis Longreach, 342 NM
Heute sind wir auf dem Weg nach Westen, in die Weite des Outback von Queensland. Wir passieren grosse Kohlegruben. Der Tagebau erstreckt sich über Kilometer. Ansonsten sehen wir die weiträumigen Weideflächen der Rinderzüchter. Die Navigation ist einfach, wir folgen dem Asphaltband der Straße und der Bahnlinie bis nach Longreach.

Westwärts ins OutbackTagebau

Longreach (YLRE) ist ein Zentrum im Outback von Queensland. Beliebte Touristenziele sind die "Stockman's Hall of Fame" und das QANTAS Founders Museum am Flugplatz - unverkennbar schon im Anflug durch eine Boeing 747, die hier besichtigt werden kann. Longreach ist mit Rindern und Schafen gross geworden, lebt aber heute auch von den Touristen.

Longreach Aerodrome und QANTAS Founders MuseumMain Street, Longreach

 
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Nach Alice Springs


Tag 4 - Longreach bis Alice Springs, 585 NM
Auf dem Plan stehen fünf Stunden Flugzeit bis Alice Springs (YBAS) – wir müssen unterwegs zum Tanken zwischenlanden. Dieser Teil der Outback-Flugplanung ist vor dem Flug am Telefon zu lösen. Wir vergewissern uns, dass Treibstoff zur verfügung steht, anderenfalls müssten wir ein anderes Zwischenziel finden. Boulia (YBOU), Zwischenstopp auf der kürzesten Strecke, hat bestätigt: "Ja, wir haben Benzin für Euch". Also starten wir in einen windigen Morgen mit Böen um 25 kt - was uns auf der ersten, 243 NM langen Etappe einen kräftigen Rückenwind und 138 kt Geschwindigkeit über Grund beschert.

Grenzenlose WeiteBoulia, Tankstelle

Im Sinkflug auf Boulia strömt uns papiertrockene, heisse Wüstenluft aus der Kabinenlüftung entgegen. Die Luft flimmert in der Mittagshitze über der Landebahn. Beim Anruf über Funk tönt aus den Kopfhörern eine automatische Ansage: "Boulia Aerodrome", aber niemand meldet sich. Wir rollen vor der Tankstelle aus, ausser Fliegen kein Lebewesen am Flugplatz. Am Passagierterminal, einer Holzhütte, finden wir in einem Kasten ein Telefon vor - und im Deckel festgepinnt die Anweisung: "For fuel, call 0427 163 773". Zehn Minuten später kommt ein Geländewagen angebraust, eine dicke rote Staubfahne hinter sich herziehend - Willy, ein Gemeindearbeiter, bringt für uns die Tankstelle in Gang.

Boulia, PassagierterminalBoulia

Wir fragen ihn, ob wir in Boulia ein Mittagessen bekommen, und er nimmt uns "ans andere Ende der Stadt" mit – vier Häuserzeilen weiter in Fussreichweite. Im angenehm klimatisierten Imbiss gibt es leckere Sandwiches mit Ananas und Hühnchen. Zurück am Flugplatz geht es zügig weiter, wir steigen nach dem Start auf 6500 ft und nehmen Kurs auf das 342 NM entfernte Alice Springs. Die ausgedörrte Erdoberfläche unter uns sieht nicht allzu einladend aus. In der Wettervorhersage am Morgen war von Windhosen (dust devils) bis in 8000 ft Höhe die Rede gewesen. Darunter hatte ich mir nicht wirklich etwas vorstellen können, aber wir bekommen jetzt ein paar schöne Exemplare zu Gesicht.

Vorsicht Windhosen: Dust devils up to 8000 ftStuart Highway, Alice Springs

'The Alice' ist die zentrale Stadt im "Roten Zentrum". Da wir auf der Durchreise nur über Nacht bleiben, haben wir gerade mal Zeit, uns das Alice Springs Reptile Center anzuschauen. Dieser interessante kleine Zoo zeigt heimliche Bewohner der australischen Wüste, die einem unterwegs eher selten begegnen (was vielleicht von Fall zu Fall gar nicht schlecht ist, da einige dieser Tiere ziemlich giftig sind). Zur Show gehört auch die Gelegenheit, Schlangen und Echsen in die Hand zu nehmen - jedenfalls Vertreter harmloser Arten. Auf diese Weise lernen wir auch George, einen 10 kg schweren Grünen Python kennen.

George, ein 10 kg schwerer Grüner PythonDer Perentie, mit 2 Meter Länge Australiens grösster Waran

 
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Uluru - Ayers Rock

En Route Supplement Australia (ERSA)

Tag 5 - Alice Springs bis Ayers Rock, 208 NM
Vormittags zwei Flugstunden bis zum Uluru, wie der riesige Felsen im Busch in der Sprache der Aborigines heisst. Vorbei an der Missionsstation Hermannsburg und dem Salzsee Lake Amadeus überfliegen wir die geologischen Formationen des in Jahrmillionen erodierten, flachen Landes. Die Anzeige unseres ADF-Empfängers zeigt geradeaus auf Ayers Rock Connellan Airport (YAYE).

HermannsburgEin Stück der Oberfläche des Urkontinents Gondwana

Ayers Rock auf der FlugkarteLake Amadeus

Der Uluru ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Australiens. Trotz seiner regulären Passagierverbindungen handelt es sich bei Ayers Rock Connellan um einen unkontrollierten Flugplatz, nur eben mit einer grossen Landebahn. Passagierjets, Kleinflieger wie wir und der lokale Sightseeing-Hubschrauberverkehr sorgen für einen interessanten Flugbetrieb, der einige Aufmerksamkeit empfiehlt. So bekommt man ungewöhnliche Anrufe zu hören wie "Qantas 1922, 50 miles inbound Ayers Rock, expected arrival at 42" - die Crew kündigt allen in der Platzrunde an, dass dieser QANTAS-Jet 42 Minuten nach der vollen Stunde zur Landung eindrehen wird.

Blick auf Ayers Rock aus der Platzrunde, Gegenanflug 31Endanflug 31, Ayers Rock Airport

 

Wir übernehmen unseren reservierten Mietwagen und fahren zum Lost Camel Hotel im Ayers Rock Resort. Das Resort bietet alle Arten von Unterkunft vom Zeltplatz bis zum 5-Sterne-Hotel. Die Zimmer sind stets ausgebucht, eine rechtzeitige Reservierung ist unabdingbar.

Am Abend führt uns unser erster Besuch am "Rock" zum Sunset View im Uluru-Kata Tjuta National Park. Das Wetter hat für genau eine halbe Stunde ein Einsehen, und die Wolkendecke bricht auf.

Sonnenuntergang am UluruUnd so kommt es zum Farbenspiel

Da es Frühling ist, können wir am nächsten Morgen den vierstündigen Base Walk um den Felsen herum bei moderaten 32°C geniessen - wichtig nur, ausreichend Wasser dabei zu haben. Das Fliegennetz ist kein Spielzeug - je nach Standort und Wind lassen sich Hunderte der kleinen "blowies", so gross wie unsere Stubenfliegen, auf der Kleidung nieder. Wer dann das Netz lüftet, muss erleben, wie sich diese Meute umgehend auf Augen, Mund und in die Nasenlöcher stürzt, um etwas Feuchtigkeit zu ergattern. Ohne Fliegennetz ziemlich widerlich und für uns schwer zu ertragen.

Das Fliegennetz ist eine grosse ErleichterungRichard demonstriert traditionelle Werkzeugherstellung

Für den folgenden Tag haben wir bei Anangu Tours eine halbtägige Aboriginal Guided Tour gebucht, um den Uluru näher kennenzulernen. Das Unternehmen wird von Aborigines geführt und bietet uns die Gelegenheit, auf Wanderungen mit einem lokalen Führer mehr über die traditionelle Bedeutung des Landes für die Ureinwohner zu erfahren. Richard und Jamie, sein Übersetzer, demonstrieren die Herstellung traditioneller Werkzeuge aus Holz und Flintstein, den Speerwurf mit der Speerschleuder, und wir erfahren ein wenig von den Mythen, die sich um den Felsen ranken.

Höhlen bieten Schatten unter dem FelsenKata Tjuta, the Olgas

 
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Tibooburra

Navigationsinstrumente eingestellt auf Tiboobura

Tag 8 - Ayers Rock bis Tibooburra, 721 NM
Die heutige Hauptaufgabe ist Treibstoffplanung. 306 NM vom Uluru nach Coober Pedy (YCBP): Tanken. Wieder ein verwaister Flugplatz, wir bekommen kein Taxi in die Stadt, also auch kein Mittagessen und müssen unsere Vorräte an Scottish Shortbread plündern.

Abschied vom UluruCoober Pedy - die Opal-Hauptstadt der Welt

Auf dem Stuart Highway bei Coober Pedy beobachten wir einen mächtigen Road Train. Im Tiefflug riskieren wir einen näheren Blick. Die Fahrer dieser Riesenzüge sind es, die all die Städte im Outback mit dem Benzin versorgen, das hier draussen verfahren und verflogen wird. So ein Road Train mit 56 Meter Länge hat eine 600 PS-Maschine und 150 Tonnen Gesamtgewicht.

So kommt das Benzin ins Outback

215 NM von Coober Pedy nach Leigh Creek (YLEC), unser zweiter Tankstopp. Wir erleben wieder ein Stück Gastfreundschaft im Busch: Rose, die Managerin der Tankstelle, bietet uns Tee und Biskuits an, Zeit für ein Schwätzchen muss sein.

Um 3 Uhr nachmittags müssen wir weiter. Ich rufe in Tibooburra an, um unsere Ankunftszeit mitzuteilen. Weitere 200 NM sind heute noch zu fliegen, und wir wollen rechtzeitig vor Sonnenuntergang in Tibooburra (YTIB) landen. Die Landschaft wird eintöniger. Unsere Sichtnavigation beschränkt sich zusehends auf ein paar entfernte Bergspitzen und Salzseen. Auf den letzten 80 Meilen nach Tibooburra folgen wir den Dünen der Strezlecki Desert, die durch konstante Winde aus Nordwesten ziemlich genau entsprechend unserer Flugrichtung zusammengeweht sind. GPS-Anzeige und die Nadel des ADF-Empfängers geleiten uns auf gerader Linie zu unserem Ziel.

Endanflug 20 im Abendlicht, TibooburraGelandet in Tibooburra, 38°C und *§#@! Fliegen

 

In der Sprache der lokalen Aborigines bedeutet Tibooburra "ein Haufen Steine". Die Stadt zählt 150 Einwohner, hier draussen hat es schon im Frühling 38°C. Wir wollen unsere Freundin Ingrid besuchen, die für den National Parks und Wildlife Service den Sturt National Park leitet.

Sturt National Park Office, TibooburraAufzucht verwaister Känguruhbabys

Ingrid ist nicht nur Park-Managerin, sondern pflegt auch "Joeys", Känguruhbabys, die oftmals im Beutel überleben, wenn Muttertiere auf der Strasse überfahren werden. "Kangaroo Carer" versuchen, diese Jungtiere mit der Flasche aufzuziehen. Die Joeys benötigen intensive Zuwendung und einen Beutel-Ersatz über mehrere Monate. Also werden die Kleinen in eine grosse Tasche gesteckt, die sich die Pfleger für mehrere Stunden täglich um den Bauch binden. Das Jungtier braucht den Körperkontakt, wie es ihn ja auch von der Mutter bekommen würde, für seine Entwicklung. Selbst die etwas älteren Joeys, die bereits selbständig grasen können, kommen immer wieder einmal in den Beutel zurück.

Kleine Joeys bleiben mehrere Stunden täglich im BeutelSturt National Park besteht aus ehemaligem Farmland

Sturt National Park, entstanden aus mehreren aufgegebenen Schaffarmen, ist eine steinige Wüste mit karger Vegetation. Einhundert Jahre Überweidung haben den Pflanzenbewuchs und damit die Lebensgrundlage der Tierwelt weitgehend zerstört, das Land erholt sich unter den harschen Umweltbedingungen nur sehr langsam. Durch eine mehrjährige Dürre sind in der Gegend von Tibooburra 90% der Känguruhpopulation umgekommen.

Einhundert Jahre Überweidung haben die Vegetation weitgehend zerstörtMount Wood Historic Homestead, ehemalige Schaffarm und Ranger-Station

 
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Kangaroo Island

Tag 12 - Tibooburra bis Kingscote, 468 NM
Wir müssen zum Tanken in die nächsten Stadt – das ist Broken Hill (YBHI), 155 NM entfernt. Noch ein Sandwich zum Mittagessen, und weiter geht es, 313 NM Richtung Süden, an die Küste. Wir verlassen das Festland und überqueren 11 Meilen offene See auf dem Weg nach Kingscote Airport (YKSC) auf Kangaroo Island. Ein Kontrastprogramm zum staubigen Outback - hier draussen ist es windig bei 15°C.

Über die Backstairs Passage nach Kangaroo IslandTammar Wallbies grüssen den reisenden Flieger

Kangaroo Island, drittgrösste Insel Australiens, liegt vor der Küste von South Australia. Das Fehlen von Raubtieren und eingeschleppten Schädlingen führte dazu, dass sich die ursprüngliche Tierwelt Australiens hier auf einzigartige Weise ungestört erhalten hat. Kangaroo Island gilt als eine Naturoase und wird auch als "Zoo ohne Mauern" bezeichnet. Wir nehmen einen Mietwagen und bleiben für einige Tage im Kangaroo Island Wilderness Retreat. Wir durchstreifen den Flinders Chase National Park und freuen uns an der eindrucksvollen Natur.

KoalaCrew beim Tee

 
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Victoria

Melbourne Terminal Area

Tag - Kingscote bis Melbourne, 483 NM
In Kingscote gibt es wieder keine Möglichkeit, zu tanken. Wir stolpern aber über den Airport Manager, der uns den privaten Landeplatz Goolwa (YGWA), 61 NM entfernt auf dem Festland, empfiehlt. Wir machen den halbstündigen Hüpfer und füllen unsere Tanks. Geoff, der Besitzer, hilft uns, den Reifendruck zu überprüfen, und freut sich über die Gelegenheit für eine kleine Unterhaltung.

Flugzeugpflege in GoolwaAuf Südkurs entlang der Great Ocean Road

Die nächste Etappe führt uns ins 173 NM entfernte Mount Gambier (YMTG). Der Platz erscheint völlig verlassen, keine Chance einen vernünftigen "tucker" (Essen) zu bekommen, also wird nur getankt. Die restlichen 249 NM nach Melbourne fliegen wir am Meer und geniessen die Aussicht auf die Steilküste der Great Ocean Road. Wir erreichen Melbourne-Essendon (YMEN) am späten Nachmittag, nachdem wir auf Anweisung von Melbourne Approach angenehmerweise einen Schlenker über den Hafen und die Stadt absolvieren - der Direktanflug von Westen war nicht möglich.

Cleared to land 17, Melbourne Essendon

Der hungrige PilotFederation Square, Melbourne

Melbourne gefällt uns gut. Wir freuen uns an den Ausstellungen und Museen, dem Botanischen Garten und am internationalen Flair der Stadt. Eine Schlechtwetterfront, die durch die Tasmanische See zieht, zwingt uns, einen Besuch in Canberra zu streichen, dafür bleiben wir einen Tag länger hier.

 

Tag 18 - Melbourne bis Merimbula, 296 NM
Da es uns schwerfällt, in Essendon auf Menschen zu treffen, fliegen wir geradewegs aus Melbourne heraus und landen zum Tankstopp 80 NM entfernt in Latrobe Valley (YLTV). Dies erweist sich schnell als eine gute Entscheidung. Latrobe Valley Aero Club begrüsst uns mit echter Clubatmosphäre, wir bekommen nicht nur Benzin, sondern auch Tee und unterhalten uns prächtig mit der Crew im Clubhaus.

Von hier sind es weitere 216 NM entlang der Küste zu unserem letzten Etappenziel. Zuerst müssen wir uns eine Freigabe für die militärische Kontrollzone RAAF East Sale (YMES) holen, fliegen dann aber in wenigen hundert Fuss Höhe entlang des Ninety Mile Beach (das dauert eine Weile), um nach der Umrundung der Südostecke Australiens unser Tagesziel Merimbula (YMER) zu erreichen.

Follow Me, Latrobe Valley Aero ClubEin letztes Mal tanken, Merimbula

Tag 19 - Merimbula bis Camden, 185 NM
Nach einem guten Frühstück starten wir Richtung Twofold Bay, wo wir vor der Küste eine Gruppe Buckelwale beobachten können. Nun wird es aber doch Zeit, uns nach Norden Richtung Camden zu wenden. Unsere letzte fliegerische Herausforderung wartet bei RAAF Nowra (YSNW), wo starke Fallwinde vom Bergland Richtung Meer strömen und uns auf unserem Kurs durch die Kontrollzone 1000 ft über Grund ziemlich heftige Turbulenzen bescheren. Weiter nördlich, vor Wollongong, beruhigt sich die Luft wieder.

Buckelwale in Twofold BayDas Flugzeug muss zurück

Endanflug 06, Camden

Unser Fliegerurlaub geht zu Ende. Wir landen in Camden kurz nach Mittag.

Im Anschluss verbringen wir eine entspannende Zeit im tropischen Queensland. Wir besuchen den Daintree Rainforest und schnorcheln am Great Barrier Reef, aber das ... ist eine andere Geschichte.

Daintree RainforestAbschied von Australien

 
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Fliegen in Australien

Flugprozeduren und Vorschriften unterliegen stetigen Änderungen. Die alleinige Verantwortung für die Verwendung aktueller Informationen zur Planung eines Fluges liegt beim verantwortlichen Flugzeugführer.
Lizenzvalidierung

Die Civil Aviation Safety Authority (CASA) ist die verantwortliche Luftfahrtbehörde in Australien. Die CASA validiert ausländische Pilotenlizenzen für bis zu drei Monaten - Informationen zum Certificate of Validation. Piloten, die für einen längeren Zeitraum in Australien fliegen wollen, müssen eine australische Lizenz erwerben.


Flugplanung

PocketFMS Flight PlanningDie gesamte Flugplanung wurde im voraus am PC mit der Navigationssoftware PocketFMS vorbereitet. Während der Reise wurden diese Planungsdaten auf einem mit PocketFMS ausgestatteten Fujitsu-Siemens LOOX N520 GPS-PDA als Backup für das Bordsystem eingesetzt.


Sichtnavigation

VNC CoverageWAC CoverageVisual Navigation Charts (VNC, 1:500.000, entsprechen deutschen Sichtflugkarten) sind nur für Regionen mit hoher Verkehrsdichte verfügbar (links, Felder 1-8). Der grösste Teil des Landes ist nur in World Aeronautical Charts (WAC, 1:1.000.000; rechts) kartiert, Lufträume und Flugsicherungsdaten fehlen. Für wenige grosse Flughäfen gibt es Visual Terminal Charts (VTC, 1:250.000). Das "En Route Supplement Australia" (ERSA) enthält Platzinformationen und AIP-Daten.


Funknavigation

VORs gibt es nur an einigen Flughäfen. Im Outback ist man definitiv auf das gute alte ADF angewiesen, denn die meisten, auch entlegene, Plätze verfügen über einen NDB-Transmitter.


Eingeschränkte Funkabdeckung

Im Outback ist zu berücksichtigen, dass die VHF-Abdeckung eingeschränkt ist (abgebildet in der Planning Chart Australia; PCA). Beispiel: Wir wollten bei Coober Pedy im Flug herausfinden, ob ein in unserem Weg liegender Sektor von Woomera Restricted Airspace aktiv ist. Funkkontakt kam überhaupt erst bei 5500 ft Flughöhe zustande, aber die von uns gerufene Flight Watch (entspricht Information) hörte uns nicht. Auf der Center-Frequenz, also der IFR-Luftraumkontrolle, wurden wir gehört und bekamen die gewünschte Information. Es kann in entlegenen Gegenden durchaus passieren, dass ein Funkruf nur von einem Airliner im oberen Luftraum gehört wird, der die Nachricht als Relay an Center weiterreicht.


Fit bleiben und Überlebenshilfen

Beim Fliegen ist es im Outback wie auch am Boden wichtig, ausreichend Trinkwasser griffbereit zu haben und auch genügend zu trinken, um nicht zu dehydrieren. Auch wenn die Temperaturen auf Reiseflughöhe angenehm erscheinen, verliert man eine Menge Flüssigkeit in der extrem trockenen Luft.

Ausreichender Wasservorrat für Notfälle ist lebenswichtig. Rechne in den trockenen Gebieten mit einem Bedarf von 5 Liter Wasser pro Kopf pro Tag, man sollte im Notfall in der Lage sein, 2-3 Tage an einem Notlandeplatz auf Hilfe warten zu können.


Aviation Security

Longreach Passenger GateDie australische Regierung hat für die Luftfahrt Sicherheitsvorschriften eingeführt, die in deutlichem Kontrast zur entspannten Lebensweise in diesem Land stehen.

ASIC: Luftfahrtpersonal - einschliesslich der Privatpiloten - muss in Australien eine "Aviation Security Identity Card", also einen Luftfahrtausweis, tragen, welcher erst nach einer Zuverlässigkeitsüberprüfung durch die Sicherheitsbehörden erteilt wird. Dieser Ausweis wurde zum Zeitpunkt unserer Reise von ausländischen Piloten mit einem Certificate of Validation zwar nicht gefordert, das Fehlen eines solcher Ausweises verursachte an einigen Plätzen, die wir anflogen, aber schon Nachfragen.

Security-Controlled Aerodromes: Die Flugplätze in Australien werden derzeit zu Sicherheitszonen aufgerüstet. Die Flugbetriebsflächen werden eingezäunt und mit Sicherheitstüren ausgestattet, die einen unautorisierten Zugang verhindern sollen (ein Riesengeschäft für die Stahlindustrie, die meilenweise Zäune verkauft). Die Sicherheitstüren arbeiten mit Zahlenschlössern. Also ist man gut beraten, sich genau anzuschauen, wie man nach dem Verlassen des Sicherheitsbereiches wieder an sein Flugzeug kommt: entweder ist der Code innen an der Tür angegeben, oder man muss bei der Rückkehr zum Platz eine bestimmte Telefonnummer anrufen (vielfach auch in der ERSA angegeben). Also genau hinschauen und sicherstellen, dass man sich nicht aussperrt.

Die Zugangskontrolle zu den Betriebsflächen kann bizarre Formen annehmen: In Melbourne Essendon fanden wir ein Drehkreuz im mannshohen Stacheldrahtzaun vor, das die Rückkehr auf das Flugfeld nur nach Aufzeichnung der Pilotenlizenz-Nummer und eines Fingerabdruck-Scans mit einem elektronischen Scanner zuliess. Um später zum Flugzeug zurückzukommen, musste man seinen Fingerabdruck erneut scannen lassen.

Allerdings konnten wir immer wieder feststellen, dass einem die Menschen vor Ort sehr geholfen haben, mit diesem Unsinn zurecht zu kommen. In Ayers Rock Airport erhielten wir beispielsweise sofort nach der Landung einen temporären Ausweis ausgehändigt, als der Security Officer sah, dass wir keine ASIC bei uns hatten - auf der Rückseite die Telefonnummer und eine ausführliche Anleitung, wie wir wieder zu unserem Flieger gelangen können.


Menschenleere Flugplätze

Erwarte keine Begrüssung an einem entlegenen Flugplatz. Wir waren überrascht, wie oft ein Platz im Outback menschenleer war. Viele Tankstellen sind mit automatischen Kartenlesern ausgestattet, so dass man in der Regel Benzin bekommt (Verfügbarkeit siehe ERSA). Im Zweifelsfall vorher anrufen, damit man nachher nicht an einem Platz ohne Treibstoff festsitzt und mit Glück eine Woche warten muss, bis ein Tankwagen vorbeikommt.


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Jan Monzer 2006